Advaita
अद्वैत (advaita)
Die Nicht-Zweiheit: wörtlich *„nicht zwei“*. Am Ende der Suche sind das individuelle Selbst (*ātman*) und das Absolute (*brahman*) keine zwei getrennten Wirklichkeiten, sondern eine einzige – hinter der scheinbaren Vielfalt. Das Wort geht durch Verneinung vor: Es sagt nicht *„eins“*, es verweigert das *„zwei“*. Die Vielfalt der Welt ist wirklich als Erscheinung, nicht als Schranke zwischen getrennten Substanzen.
Tout est un Être, une Conscience, une jusque dans l'infinie multiplicité, et il n'est nul besoin de la couper en deux et d'opposer une Réalité transcendante à une Maya cosmique irréelle.
Das Sanskritwort advaita ist eine Verneinung: a-dvaita, „Nicht-Zwei“. Es setzt die Einheit nicht als positive These – es verweigert die Spaltung. Im Grunde der Erfahrung ist das Selbst kein Ding, das vom es umschließenden Absoluten getrennt wäre: „Das bist du.“ Die Vielheit, die die Sinne wahrnehmen, ist nicht falsch, doch sie ist auch keine zweite Wirklichkeit, die der ersten gegenüberstünde.
Sri Aurobindo, kritischer Leser Shankaras, bewahrt den Kern des Advaita Vedānta, nimmt ihm jedoch die Schärfe: Alles ist ein einziges Sein, ein einziges Bewusstsein – bis hinein in die unendliche Vielfalt – und es bedarf keiner Zweiteilung dieses Seins, um ein transzendentes Reales einer Māyā gegenüberzustellen, die man für illusorisch erklärte. Die Nicht-Zweiheit löscht die Welt nicht aus; sie weigert sich, aus ihr eine Mauer zwischen Seele und Göttlichem zu machen.
Darum ist die advaitische Befreiung keine Errungenschaft, sondern eine Erkenntnis: Durch das Wissen hört man auf, für zwei zu halten, was nie etwas anderes als eins war.
Advaita ≠ Monismus, der das Viele auflöst. Der Monist reduziert die Vielfalt auf eine einzige Substanz und hält den Rest für reine Täuschung; die Nicht-Zweiheit hält das Zwei UND das Eine – sie leugnet nicht die Wellen, sie leugnet, dass sie etwas anderes sind als der Ozean. Advaita ≠ buddhistische śūnyatā: Während die Leere jedes eigene Wesen verneint, auch das eines Selbst, bejaht der Advaita einen vollen Grund, das Brahman-Ātman, identisch unter allen Masken. Die eine entleert, die andere erfüllt – und beide verabschieden das „Zwei“.