Brahman
ब्रह्मन् (brahman)
Im Vedānta bezeichnet Brahman die allgegenwärtige, absolute und unendliche Wirklichkeit, den Grund alles Existierenden. Weder bloßer Begriff noch eine göttliche Persönlichkeit unter anderen: Es ist das Sein an sich, das Selbstbewusstsein, die Glückseligkeit (*Satchidānanda*), die das Kosmos trägt, ohne sich darin zu erschöpfen. Brahman ist zugleich das unaussprechlich Transzendente und das Immanente, das jede Form durchdringt — das Eine, von dem nichts ausgeschlossen ist.
Brahman est l'Un en dehors de qui rien d'autre n'existe.
Hier stammt das Wort von der sanskritischen Wurzel bṛh-, „wachsen, sich entfalten, unermesslich sein“. In den Brāhmaṇas bezeichnet es zunächst die heilige Kraft, die im Ritual enthalten ist; in den Upanishaden wird es zum grundlosen Grund aller Wirklichkeit – das, woraus alles entsteht, worin alles besteht, wohin alles zurückkehrt.
Die Taittirīya-Upanishad formuliert es so: „Die Wahrheit, das Wissen, die Unendlichkeit, die das Brahman ist.“ Keiner dieser drei Begriffe ist ein Attribut unter anderen: Sie benennen ein und dasselbe aus drei Perspektiven. Die brahmanische Wirklichkeit ist keine Substanz, die man umkreisen könnte; sie ist der Horizont allen möglichen Wissens, der Raum, in dem sich die Frage „Was existiert wirklich?“ auflöst.
Aurobindo fasst in Das göttliche Leben zwei oft gegensätzlich gedeutete Traditionen zusammen: das stille Brahman Shankaras (ohne Eigenschaften, ohne Zweites, radikal jenseits der Welt) und das tätige Brahman, das sich im Universum als Selbst (Ātman), Herr (Īśvara) und Purusha manifestiert. Diese beiden Aspekte widersprechen sich nicht – sie sind dasselbe Eine, betrachtet aus Transzendenz und Immanenz.
Brahman ≠ ein persönlicher Gott unter anderen. Im vedischen Polytheismus sind die Götter (Indra, Agni, Varuṇa) kosmische Mächte; Brahman ist das, worin diese Mächte selbst wurzeln. Die Verwechslung von Brahman mit Brahmā (dem Schöpfergott, erste Person der Trimūrti) ist im Westen verbreitet: Es handelt sich um zwei verschiedene Begriffe. Brahman schafft nicht von außen – es ist der Stoff, das Gefäß und der Inhalt aller Schöpfung.