Ātman
आत्मन् (ātman)
Im Vedānta ist der *Ātman* das reine Selbst – nicht das psychologische Ich aus Gewohnheiten, Meinungen und Erinnerungen, sondern das absolute Subjekt, das sie beobachtet, ohne sich darin aufzulösen. Das Grundprinzip des Advaita (Nicht-Dualismus): *Ātman* = [Brahman](/lexique/brahman/). Was in jedem von uns mit der gesamten Wirklichkeit identisch ist, ist weder ein Funke noch ein Fragment – es ist dasselbe Licht, ohne Teilung.
la seule vérité vraie ou la seule réalité réelle est l'incommunicable Moi ou Unique Existence (Âtman, Advaïta), le quatrième état du Moi que décrit le Védânta
Die Wurzel ān- im Sanskrit bedeutet „atmen“, „leben“. Der Ātman ist zunächst in den Veden der jedem Wesen eigene Lebenshauch – das, was den Körper belebt. Die Upanishaden vollziehen eine entscheidende Verschiebung: Dieser individuelle Atem und der universelle Atem sind ein und derselbe Hauch. Die große Formel (mahāvākya) der Māṇḍūkya-Upanishad: „Dieses Selbst ist das Brahman“ (ayam ātmā brahma) ist vielleicht der dichteste Satz der gesamten indischen Philosophie.
Der „vierte Zustand“ (turīya), von dem das Zitat spricht, ist der Zustand, der den drei gewöhnlichen Bewusstseinszuständen (Wachen, Traum, Tiefschlaf) zugrunde liegt, ohne sich mit einem von ihnen zu vermischen. Es ist der unbedingte Ātman: weder Gedanke noch Traum noch Leere – sondern das reine Bewusstsein, das all diese Zustände erst ermöglicht.
Die Bhagavad-Gītā (Kap. II, Vers 20) gibt die knappste Formulierung, in der die Seele vom Tod unberührt bleibt: „Sie wird nicht geboren, sie stirbt nie; sie war nicht einst geboren, sie wird nicht wiedergeboren; ohne Anfang, ohne Ende, ewig, uralt – sie wird nicht geboren, wenn der Körper getötet wird.“ Burnouf übersetzte 1861 ātman mit „Seele“ – doch das französische Wort deckt zu viel ab; was der Ātman bezeichnet, ist nicht die individuelle Seele, die sich wiederverkörpert, sondern der Zeuge, der allen Verkörperungen vorsteht, ohne sich an sie zu binden.
Ātman ≠ das psychologische Ich (ahaṃkāra, wörtl. „Ich-Macher“). Der ahaṃkāra ist die mentale Konstruktion, die sagt: „Ich handle, ich leide“; der Ātman ist das, was diese Konstruktion beobachtet, ohne sich mit ihr zu identifizieren. Die gesamte vedantische Praxis zielt darauf ab, die Verwechslung zwischen beiden aufzulösen. Zu unterscheiden ist er auch vom Tao: Während das Tao eine subjektlose kosmische Kraft ist, bleibt der Ātman eine Struktur der Subjektivität – auch wenn diese Subjektivität universell und nicht persönlich ist.