aliento del Sol vivo
le souffle du Soleil vivant
Formulierung des asháninka-Spezialisten Eusebio Laos – auf Spanisch, der Sprache, in der er seine Kosmovision dargelegt hat, kein Wort in der asháninka-Sprache. Sie bezeichnet das Wasser nicht als Substanz oder Ressource, sondern als den *Atem* (aliento) einer lebendigen Sonne: Dieser Atem, so ließ die Sonne ihn um die Erde kreisen, damit Vögel, Tiere und Menschen leben, und die Luft ist ihr Geist („der Geist des Wassers ist die Luft“). Atmen und schwitzen – Pflanzen, Tiere, Menschen – heißt also, denselben Wasser-Atem zu teilen, den die Sonne rings um die Welt gelegt hat. Wasser ist kein Element unter anderen: Es ist der Hauch eines Gestirns, das als Person gilt, verliehen an alles, was lebt.
El agua es aliento del Sol vivo que ha hecho rodear su planeta para que vivieran todas las aves, animales y toda la gente que vive. Su espíritu del agua es el aire, entonces el aire vuelve a ser agua.
Hier ist die idiomatische deutsche Übersetzung im gewünschten Format:
Der Ausdruck stammt von Eusebio Laos, nicht aus der asháninka-Sprache: ein asháninka-Spezialist, der auf Spanisch beschreibt, wie sein Volk das Wasser begreift – „der Atem der lebendigen Sonne“ ist hier nur ein hausgemachter französischer Übersetzungsversuch, als solcher gekennzeichnet. Die Lücke, die er füllt, ist real. Das Französische hat „eau“ (die Sache), „cycle de l’eau“ (den Mechanismus), „ressource“ (den verfügbaren Vorrat); es fehlt ihm ein Wort für Wasser, das als Atem eines Lebendigen gehalten wird, ausgeatmet und wieder eingeholt von einem Gestirn, das atmet.
Bei Laos ist das Bild kein Schmuck: Es begründet eine ganze Physik. Die Sonne ist vivo, lebendig, und die Menschen sind von ihr losgelöste Teilchen. Das Wasser ist die Luft, die sie ausatmet; die Luft ist der Geist dieses Wassers; und dieser eine Atem, in Umlauf gebracht um die Welt, wird von Pflanzen, Tieren und Menschen beim Atmen wieder aufgenommen. Derselbe Atem durchströmt alle Brustkörbe. Man besitzt seine Luft nicht: Man leiht sich, für die Dauer eines Lebens, den Atem einer Sonne.
Wie das chinesische Qi ist es ein Atem, der Leben spendet – doch anders: Das Qi wird in sich selbst gepflegt, man gewinnt es durch Loslassen, es ist die eigene Kraft; der Atem der lebendigen Sonne ist niemals mein Eigen, er ist geliehen und zirkuliert, derselbe in allem, was atmet. Und wie Urihi bei Kopenawa weigert es sich, das Lebendige als leblose Außenwelt zu betrachten – Kopenawas Erde lebt aus sich selbst, Laos’ Wasser ist der Atem eines anderen, Höheren, von dem wir unseren Atem empfangen. ≠