Greek · Abendländische Philosophie

Aponia

ἀπονία (aponia)

Die *Aponia* ist bei Epikur die Abwesenheit von körperlichem Schmerz: kein hinzugefügtes Vergnügen, sondern ein Zustand, in dem das körperliche Leiden aufgehört hat. Zusammen mit der *Ataraxia* – der Abwesenheit von Unruhe der Seele – bildet sie die beiden Seiten des höchsten Gutes. Der beruhigte Körper, der Geist ohne Unrast: die epikureische Lust verlangt nichts weiter, und alles, was vorgibt, sie zu steigern, verschiebt sie nur.

Cette volupté, qui est le centre de notre bonheur, n’est autre chose que d’avoir l’esprit sans aucune agitation, et que le corps soit exempt de douleur
Épicure, Lettre à Ménécée, § 132. Lefèvre, 1840 · trans. Jacques Georges de Chauffepié · source

Das Wort setzt sich aus dem a- privativum und ponos – der Mühe, dem Schmerz, der anstrengenden Last – zusammen: aponia, der Zustand dessen, der keine Schmerzen mehr hat. Der Satz, der bei Epikur das „Zentrum unseres Glücks“ definiert, hält beide Hälften in einem Zug fest – „einen Geist ohne jede Unruhe zu haben und dass der Körper frei von Schmerz sei“. Die erste Hälfte benennt die Ataraxie; die zweite die Aponie. Das epikureische höchste Gut ist weder das eine noch das andere für sich genommen, sondern ihre Verbindung.

Daher die Natur dieser Lust: Sie ist kein Genuss, den man sucht, sondern eine Schwelle, die man erreicht, wenn das Verlangen verstummt. Deshalb verwirft Epikur sogleich „Trunkenheit, Fleischübermaß“ und „alles, was die Tafel verfeinert“ – nicht aus Askese, sondern weil diese bewegten Lüste nichts stillen: Sie entfachen das Begehren neu, statt es zu lösen. Die Aponie wird durch dieselbe Mäßigung erreicht, der die Autarkie dient.

Aponia ≠ Ataraxia: Die eine ist die Ruhe des Körpers, die andere die der Seele. Aponia ≠ bewegte Lust: Das Fehlen von Schmerz ist ein Zustand, nicht der positive Genuss des Festmahls, den der Brief ablehnt. Aponia ≠ stoische Apathie: Die Stoiker streben die Auslöschung der Leidenschaften der Seele an, während Epikur zunächst vom Körper spricht, den der Schmerz nicht mehr beherrscht.

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