Assentatio
assentatio
Schmeichelei durch Zustimmung: das Laster dessen, der stets beipflichtet, sagt, was man hören will, und nie eine gegenteilige Meinung zu der Ihren vertritt. Cicero macht sie im *Lälius* zum Hauptfeind der Freundschaft – nicht weil sie über ihren Gegenstand lügt, sondern weil sie die Wahrheit tilgt, den einzigen Boden, auf dem zwei Seelen zueinanderfinden können. Der *assentator* ist nicht in erster Linie ein Lügner: Er ist ein Mensch ohne eigenes Wesen, der sich dem Ihren *« auf das geringste Zeichen hin »* anpasst. Anders als die aufdringliche Schmeichelei (*adulatio*) ist die *assentatio* subtiler und schwerer zu entlarven, denn sie tarnt sich als aufrichtige Übereinstimmung.
il n'est rien de plus pernicieux en amitié que la flatterie, les manières doucereuses, la complaisance outrée.
Hier der idiomatische deutsche Transfer im Markdown-Format:
Der lateinische Begriff assentatio stammt von assentari – sich der Meinung eines anderen anschließen, dessen Ansicht beipflichten. Das Wort bezeichnet zunächst nicht die Lüge, sondern die Zustimmung: Der Schmeichler ist derjenige, der stets ja sagt. Cicero unterscheidet ihn sorgfältig von der adulatio, der groben Schmeichelei; die assentatio ist subtiler, denn sie gibt sich als spontane Übereinstimmung aus. Cicero warnt vor dem „Schmeichler, der sich verbirgt und verstellt“, den man nicht immer entlarvt.
Ihre Gefahr gilt nicht in erster Linie dem Umworbenen, sondern der Beziehung selbst. Wahre Freundschaft, so Cicero, gründet ganz auf Wahrheit: Zwei Seelen werden eins, wenn nichts zwischen ihnen verborgen bleibt. Der assentator, der sich jedem Wink des anderen anpasst, hat keine eigene Seele mehr – und bringt so die Falschheit in das, was nur durch Wahrheit Bestand hat. Daher ist nicht der Streit das Heilmittel, sondern die Offenheit: Der Freund, der warnt, selbst wenn es verletzt, ist nützlicher als der, der entschuldigt.
Drei Dinge gilt es auseinanderzuhalten. Die assentatio ist der Akt des Schmeichelns; die eitle Ruhmsucht (kenodoxia) ist die Lust, geschmeichelt zu werden, das Verlangen nach dem Blick, an dem sie gedeiht – „niemand hört Schmeichlern bereitwilliger zu als der, der sich selbst schmeichelt“. Sie suchen einander. Dem gegenüber steht die chinesische Aufrichtigkeit (cheng 誠), die keine zwischenmenschliche Tugend ist, sondern das Einssein eines Wesens mit seiner Wirklichkeit, dessen schmucklose Rede des Weisen – „aufrichtige Worte sind nicht geschliffen“ – nur das Zeichen dafür ist. Schmeicheln durch Zustimmung ≠ geschmeichelt werden wollen ≠ mit der Wahrheit eins sein.