Appamāda
appamāda (sanskrit apramāda)
Wachsamkeit oder Nicht-Nachlässigkeit. Grundlegende Eigenschaft des Geistes in der Lehre des Buddha: sich nicht gehen lassen, die Aufmerksamkeit gegenwärtig halten. Der Überlieferung nach war dies das letzte Wort des Buddha vor seinem Tod.
La vigilance est le chemin de l'immortel, la négligence est le chemin de la mort. Les vigilants ne meurent pas ; les négligents sont comme déjà morts.
Appamāda ist nicht bloße „Aufmerksamkeit“ im modernen psychologischen Sinne. Es ist eine fortwährende existenzielle Haltung: niemals im Bemühen um Unterscheidungsvermögen nachzulassen, sich nicht von Gewohnheit oder Zerstreuung betäuben zu lassen.
Der Begriff ist durch Verneinung gebildet: pamāda (Nachlässigkeit, Erschlaffung, Trunkenheit des Bewusstseins) wird durch das privative Präfix a- ergänzt. Eine Definition durch Subtraktion also, wie so oft im buddhistischen Vokabular: weniger wird eine positive Eigenschaft benannt als vielmehr die Abwesenheit des entsprechenden Mangels.
Der Pali-Kanon überliefert die letzten Worte des Buddha als: „vayadhammā saṃkhārā, appamādena sampādetha“ – „Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich, vollbringt euer Werk mit Wachsamkeit“ (Mahāparinibbāna Sutta, DN 16). Zum Vergleich heranzuziehen sind die stoische prosoche (die Selbstaufmerksamkeit bei Marc Aurel) und die Gebets-Achtsamkeit bei Simone Weil – drei Traditionen, drei Variationen derselben Forderung.