Spanish · Querdenken

Extractivismo

extractivisme (fr.)

Bei Eduardo Gudynas bezeichnet *Extractivismo* nicht die Extraktion an sich – jede Gesellschaft entnimmt Ressourcen – sondern eine großflächige Aneignungsweise, die auf den Export kaum verarbeiteter Rohstoffe ausgerichtet ist. Was den Begriff ausmacht, ist nicht die Ressource (*Gold, Erdöl, Soja, Erz*), sondern die Struktur: enorme Mengen, geringer Mehrwert, externe Bestimmung und eine Reihe sozialer und ökologischer Folgen, die als normaler Preis des Fortschritts hingenommen werden. Gudynas macht daraus den Schlüssel zum Verständnis der südamerikanischen Ökonomien, von der Kolonialzeit bis zu den sogenannten progressiven Regierungen.

El extractivismo, definido como la extracción intensa de grandes volúmenes de recursos naturales para ser principalmente exportados (con poco o nada de valor agregado) y que, por lo general, deja importantes impactos sociales y ambientales en los territorios, constituye una acelerada tendencia global de la que los países andinos no somos ajenos.
Eduardo Gudynas, Transiciones y alternativas al extractivismo en la región andina. Una mirada desde Bolivia, Ecuador y Perú, Chapitre « La dimensión continental y global de las transiciones hacia las alternativas al desarrollo » (Eduardo Gudynas, CLAES), paragraphe d'ouverture. Alejandra Alayza et Eduardo Gudynas (éd.), CEPES / RedGE / CLAES, Lima, 2012, ISBN 978-9972-722-21-9

Das Wort übersetzt nicht einfach das englische extraction: Das Suffix -ismo verweist auf eine Doktrin, ein System, eine organisierte Art des Handelns – nicht auf eine einmalige Handlung. Jede Gesellschaft fördert aus dem Boden, was sie zum Leben braucht; der Extractivismo bei Gudynas bezeichnet etwas anderes: eine gesamte Wirtschaft, die auf den Export von Rohstoffen in großen Mengen, fast ohne Weiterverarbeitung, an externe Märkte ausgerichtet ist. Das koloniale Gold, der Kautschuk, das Erdöl, das transgene Soja sind keine vereinzelten Episoden, sondern Varianten eines gleichen Musters.

Dieses Muster hat eine klare Signatur: wenig Wertschöpfung vor Ort, eine Abhängigkeit von international festgelegten Preisen und soziale wie ökologische Schäden – Vertreibungen, Verschmutzung von Einzugsgebieten, territoriale Konflikte – die als akzeptable Externalitäten des „Fortschritts“ behandelt werden. Gudynas betont einen Punkt, der die lateinamerikanische politische Debatte verschiebt: Regierungen, die sich als progressiv bezeichnen und die extractive Rente verstaatlichen, ohne dieses Muster zu ändern, bleiben in seinen Augen extractivistisch – daher sein Begriff des Neo-Extractivismo, einer Extraktion, die vom Staat gesteuert wird, statt sie zu überwinden.

Abzugrenzen vom ecuadorianischen sumak kawsay, das keine Diagnose, sondern einen Horizont darstellt: Während Extractivismo eine zu kritisierende Wirtschaftsstruktur beschreibt, schlägt sumak kawsay ein anderes Verhältnis zum Lebendigen vor, jenseits der Extraktionslogik selbst. Das eine benennt das Übel, das andere sucht das Gute anderswo.

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