Amor Dei intellectualis
Der *„intellektuelle Liebe zu Gott“* ist der Höhepunkt der *Ethik* Spinozas. Sie entsteht aus der dritten Erkenntnisart – der Intuition, die die Einzeldinge *„unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit“* erfasst – als eine Freude, die von der Idee Gottes als ihrer Ursache begleitet wird. Nicht die Liebe zu einem vorgestellten, gegenwärtigen Gott, sondern diejenige, die daraus folgt, dass man begreift, dass Gott ewig ist. Selbst ewig, ist sie der Anteil, durch den der menschliche Geist an der unendlichen Liebe teilhat, mit der Gott sich selbst liebt.
Du troisième genre de connaissance naît nécessairement un Amour intellectuel de Dieu.
Spinoza unterscheidet drei Erkenntnisarten: die Einbildung, die beweisende Vernunft und eine dritte – die scientia intuitiva –, die „von der adäquaten Idee des formalen Wesens bestimmter Attribute Gottes zur adäquaten Erkenntnis des Wesens der Dinge“ fortschreitet. Eine einzelne Sache so zu erkennen, heißt, sie zu erfassen, wie sie aus der göttlichen Notwendigkeit hervorgeht, in ihrer Ewigkeit. Aus dieser Erkenntnis entsteht eine Freude; und jede Freude ist von der Idee ihrer Ursache begleitet. Hier ist die Ursache Gott selbst: Die Freude wird zum amor Dei intellectualis.
Diese Liebe ist kein Gefühlsausbruch: Sie ist ein Akt des Verstandes. Und weil ihr Gegenstand ewig ist, ist sie es ebenfalls – „Die intellektuelle Liebe zu Gott, die aus der dritten Erkenntnisart hervorgeht, ist ewig.“ Mehr noch, Spinoza setzt sie gleich „der Liebe, mit der Gott sich selbst liebt“, insofern diese Liebe durch das Wesen der menschlichen Seele erklärt wird. Die Seligkeit ist daher nicht der Lohn der Tugend: Sie ist die Tugend selbst, der Zustand dessen, der in dieser dritten Art erkennt.
Zu unterscheiden von der leidenschaftlichen Liebe, die von einer äußeren, als gegenwärtig vorgestellten Ursache abhängt und mit ihr vergeht; der amor Dei intellectualis kann nicht zerstört werden, weil sein Gegenstand nicht aufhören kann zu sein. Auch zu unterscheiden von der Bhakti, der Hingabe an einen persönlichen Gott, den man anbetet in der Erwartung seiner Gegenliebe: Bei Spinoza „kann, wer Gott liebt, nicht danach streben, dass Gott ihn wiederum liebt“, denn Gott ist von keiner Leidenschaft affiziert. Amor Dei intellectualis ≠ Anbetung: Man erbittet hier nichts, man begreift.