Aktēmosynè
ἀκτημοσύνη (aktēmosynē)
Die *Aktēmosynē* ist der freiwillige Besitzverzicht – nicht die erlittene Armut, sondern die Entbehrung, die man als Disziplin wählt. Erste der Askesen der Wüste: nichts sein Eigen nennen, damit nichts einen hält. Der Mönch nutzt sie, um das Herz zu erleichtern und es ungehindert zu Gott zu wenden.
Il abandonna cent cinquante arpents d'excellente terre qu'il possédait à ceux de son village, et vendit ses meubles dont il donna l'argent aux pauvres, n'en réservant qu'une partie pour une jeune sœur qu'il avait.
Das griechische Wort aktēmosynē setzt sich aus ktēma – dem erworbenen Gut, dem Besitz (von ktaomai, erwerben) – und dem verneinenden a- zusammen: der Zustand dessen, der kein ktēma hat. Die monastische Literatur zählt sie zu den Tugenden des Einsiedlers, neben der Hesychia (der Stille) und der Apatheia. Sie steht oft an erster Stelle: Man entledigt sich der Hände, bevor man das Herz befreit. Antonius verschenkt seine hundertfünfzig Morgen Land, Arsenius lehnt das Erbe eines Senators ab – es sind keine vereinzelten Verzichte, sondern der Eintritt in den Weg selbst.
Nichtbesitz ist nicht dasselbe wie Armut. Armut beraubt und demütigt; aktēmosynē löst und erleichtert. Man misst sie nicht an dem, was fehlt, sondern an dem, was man nicht mehr festhält: Der Mönch, der „Vater der Kaiser“ war, weiß besser als der Arme, was er aufgibt. Sie ist auch eine nach außen gerichtete Bewegung – die Sache muss die Hand wirklich verlassen, ins Dorf oder zu den Armen gehen –, und nicht bloß eine innere Neuordnung.
Darin unterscheidet sie sich von der stoischen Losgelöstheit. Epiktet behält den Gebrauch der Güter und ändert nur das Urteil über sie: Sie werden „zurückgegeben“, nie „verloren“, man nutzt sie wie eine Herberge auf der Durchreise. Die Hand darf gefüllt bleiben, solange der Griff sich lockert. Die aktēmosynē der Wüste hingegen leert die Hand: Nichtbesitz als Tat, für Gott ≠ Nichtanhaftung als Umdeutung, für die innere Freiheit. Zwei Wege zu derselben Befreiung vom Haben.