Contentement de soi (acquiescentia in se ipso)
acquiescentia in se ipso
Bei Spinoza ist die Selbstzufriedenheit eine Freude, die aus der Betrachtung entsteht, die der Mensch von sich selbst und seiner Handlungsmacht anstellt. Es ist kein vages Gefühl der Befriedigung: Es ist ein aktiver Affekt, allein durch die Vernunft hervorgebracht, der jedes Mal aufkommt, wenn die Seele sich angemessen erkennt – das heißt, klar sieht, was aus ihrer eigenen Macht folgt. Diese Zufriedenheit ist die größtmögliche, und sie ist beständig.
Le Contentement de soi est une Joie née de ce que l'homme se considère lui-même et sa puissance d'agir.
Der lateinische Ausdruck acquiescentia in se ipso – wörtlich „Ruhe in sich selbst“ – bezeichnet bei Spinoza einen präzisen Affekt unter den Definitionen der Affekte im Dritten Buch. Es ist nicht die stille Gelassenheit der Loslösung noch die vage Zufriedenheit, „einen guten Tag gehabt zu haben“. Es ist eine Freude, ausgelöst durch einen besonderen Gegenstand: die Handlungsmacht des Menschen, die er klar erkennt.
Satz 52 des Vierten Buchs zieht die entscheidende Unterscheidung: Diese Zufriedenheit kann entweder aus der Vernunft entstehen oder allein aus der Meinung der Menge. Im zweiten Fall verflüchtigt sie sich mit dem Applaus – es ist der eitle Ruhm, gloria vana. Im ersten Fall gründet sie auf der adäquaten Wahrnehmung der eigenen Macht, unabhängig vom Blick anderer; sie ist dann „die größtmögliche“ und kann durch keine äußere Ursache gestört werden.
Spinozas Beweisführung ist stringent: Die wahre Handlungsmacht des Menschen ist die Vernunft; wenn der Mensch sich selbst klar und deutlich betrachtet, nimmt er nichts wahr außer dem, was aus dieser Macht folgt; daher ist die daraus entstehende Zufriedenheit vollständig aktiv – ein Akt der Erkenntnis, keine erlittene Leidenschaft. Diese innere Zufriedenheit, so heißt es im Vierten Buch weiter, ist „das höchste Ziel unserer Hoffnung“.
Selbstzufriedenheit ≠ Hochmut (superbia). Auch der Hochmut ist eine Selbstzufriedenheit – doch genährt von der Einbildung, nicht von der Vernunft: Der Mensch überschätzt sich dabei „mehr, als recht ist“. Der Unterschied liegt nicht im Grad, sondern im Wesen: Der Hochmut bläht sich auf, weil er die realen Grenzen seiner Macht nicht kennt; die vernunftbegründete Zufriedenheit erkennt diese Grenzen und entfaltet sich dennoch, weil das, was sie adäquat wahrnimmt, bereits genügt. Der eine hängt vom Blick der anderen ab und schrumpft mit ihm; der andere hängt allein vom Erkenntnisakt selbst ab.