French · Abendländische Philosophie

Capital personnifié

Hier die Übersetzung: Mit der Formel, mit der Marx im *Kapital* den Kapitalisten nicht als eine von Gier getriebene Person fasst, sondern als „bewussten Träger“ einer unpersönlichen Bewegung: eines Werts, der sich selbst verwertet, dessen einziges Motiv die stets wachsende Aneignung abstrakten Reichtums ist. In dieser Figur wird das Mittel – das Geld, der Tauschwert – zum Subjekt, und der Mensch ist nur noch der Ort, an dem diese Bewegung sich ihrer selbst bewusst wird. Der maßlose Charakter des Erwerbs ist hier also kein Temperamentsfehler, den man zügeln könnte, sondern die Logik einer Form: Kaufen, um teurer zu verkaufen, schließt sich auf seinen eigenen Ausgangspunkt zurück und kennt kein Ende.

Ce n’est qu’autant que l’appropriation toujours croissante de la richesse abstraite est le seul motif déterminant de ses opérations, qu’il fonctionne comme capitaliste, ou, si l’on veut, comme capital personnifié, doué de conscience et de volonté.
Karl Marx, Le Capital, Livre I, Ch. IV (La formule générale du capital). Maurice Lachâtre, 1872 · trans. Joseph Roy · source

Hier verdichtet sich eine Umkehrung. Normalerweise ist der Mensch das Subjekt und das Geld das Werkzeug; hier ist das Werkzeug zum Subjekt geworden und der Mensch sein Werkzeug. Der Kapitalist, schreibt Marx, „funktioniert“ nur als solcher, sofern er einem Prozess dient, der ihn übersteigt – dem Wert, der sich zu vermehren sucht. Sein Bewusstsein und sein Wille sind nicht mehr die Quelle der Bewegung, sondern der Ort, an dem sie sich selbst gewahr wird. Daher das fast theologische Wort: das personifizierte Kapital, eine Abstraktion, die Fleisch geworden ist.

Diese Verschiebung trennt Marx von den alten Weisheiten. Aristoteles ordnet den Reichtum den Mitteln zu und verortet die Unordnung in der Seele, die ihn zum Zweck erhebt: Heilung verspricht eine besser gelenkte Wahl, die Rückkehr zum höchsten Gut, das sich allein um seiner selbst willen sucht. Marx bestreitet diese Diagnose nicht; er verlegt nur ihren Sitz. Das Maßlose wohnt nicht mehr in einer besonderen Begierde: Man könnte sie in sich auslöschen, ohne dem Prozess etwas zu nehmen, denn es ist die gesellschaftliche Form – nicht das Subjekt –, die ohne Ende ist.

Zu unterscheiden vom Warenfetischismus, seinem nahen Verwandten im ersten Band des Kapitals. Der Fetischismus beschreibt die tote Sache, die scheinbar einen gesellschaftlichen Wert in sich trägt; das personifizierte Kapital schildert das bewegte Subjekt, das sich diesen Wert aneignet und vermehrt. Das eine ist die Sache, die lebendig erscheint; das andere die Bewegung, die den Menschen als ihr Organ gebraucht. Personifiziertes Kapital ≠ Geizhals: Der Geizhals hortet und hält fest; das personifizierte Kapital bewahrt sich nur, indem es sich unablässig neu in Gang setzt.

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