Baqāʾ
بقاء (baqâ)
Arabisches Wort mit der Bedeutung *„Lebensunterhalt“*, *„Beständigkeit“*. Das genaue Gegenteil des Erlöschens (*fanāʾ*): das, was in Gott bleibt, nachdem das abgetrennte Ich ausgelöscht ist. Keine Rückkehr zu sich selbst, sondern ein neues Leben, in dem der Mystiker durch Gott besteht – und nicht mehr aus sich selbst. Garcin de Tassy veranschaulicht den Gedanken mit dem Atom, das, verloren in der Sonne, *„an ihrer ewigen Dauer teilhat“*.
si l'atome se perd entièrement dans le soleil de l'immensité, il participera, quoique simple atome, à sa durée éternelle.
Aus der arabischen Wurzel b-q-y, „bleiben, verweilen, Bestand haben“. Baqāʾ ist der Zwillingsbegriff zu fanāʾ: Die sufische Tradition trennt die beiden fast nie. Man erlischt nicht ins Nichts; man erlischt, um auf andere Weise fortzubestehen. Wo fanāʾ das Ich auflöst, das sich für ein Zentrum hielt, benennt baqāʾ, was bleibt, wenn dieses Zentrum gewichen ist – ein Dasein, das zurückgegeben, von Gott empfangen und von ihm getragen wird.
Bei ʿAṭṭār steht dafür das Bild des Atoms vor der Sonne. Solange es Atom bleibt, „ist es nur Atom“: ein geborgter Glanz, ohne eigenes Licht. Doch wenn es sich ganz in den Stern verliert, nimmt es teil an dem, was kein Ende kennt. Der Verlust ist keine Vernichtung: Er ist die Bedingung des Bleibens. Dieselbe Figur spinnt der Dichter anderswo weiter – mit dem Schatten, der sich als Licht erweist, oder dem Tropfen, den der Ozean nicht auslöscht, sondern in sich birgt.
So schließt baqāʾ die Bewegung ab, die die Auslöschung eröffnet. Ohne ihn wäre der sufische Weg ein Nihilismus; mit ihm wird er zum Tausch – das Leben, das dem Ich genommen wird, um von höherer Warte empfangen zu werden.
Baqāʾ ≠ fanāʾ: Die Auslöschung ist die Schwelle, das Fortbestehen das Land, das sich dahinter auftut. Und baqāʾ ≠ Unsterblichkeit im gewöhnlichen Sinn: Es geht nicht um ein Ich, das endlos fortdauert, sondern um ein verzehrtes Ich, das nur noch durch ein Anderes als sich selbst Bestand hat.