Autopoiesis
autopoïèse (grec auto- + poièsis)
Begriff, geprägt von Humberto Maturana und Francisco Varela (*Autopoiesis*, um 1972), aus dem Griechischen *auto-* (selbst) und *poiēsis* (machen, hervorbringen): *„sich selbst machen“*. Er bezeichnet das eigentümliche Merkmal des Lebendigen – nicht eine Substanz, noch eine Liste von Bauteilen, sondern eine Organisationsweise. Ein lebendes System ist ein Netzwerk, dessen einzige Funktion darin besteht, die Komponenten zu erzeugen und zu regenerieren, die wiederum das Netzwerk hervorbringen. Es ist in seiner eigenen Organisation geschlossen: Es stellt kein äußeres Objekt her, sondern sich selbst – fortwährend. Eben diese Rückkopplung – hervorgebracht durch seine Komponenten, Erzeugerin dieser Komponenten – unterscheidet das Lebendige von jeder mechanischen Anordnung. *„Autopoiese“* ist die übliche deutsche Entsprechung.
Autopoiesis, or "self-making," is a network pattern in which the function of each component is to participate in the production or transformation of other components in the network. In this way the network continually makes itself. It is produced by its components and in turn produces those components.
Das Wort stammt von Maturana und Varela, die es prägten – wie Capra in Erinnerung ruft –, weil kein bestehender Begriff das Gemeinte fasste: auto, „Selbst“, für die Autonomie des Lebendigen; poièsis, das mit „Poesie“ die Wurzel teilt, für das „Machen“. Autopoiesis: „sich-selbst-machen“. „Autopoiese“ ist nur die französische Lehnübersetzung.
Die Definition, die Capra aufgreift, lässt sich in einer Schleife fassen: a network pattern in which the function of each component is to participate in the production or transformation of other components in the network – ein Netzwerkmuster, in dem die Funktion jedes Bestandteils darin besteht, an der Herstellung oder Umwandlung anderer Bestandteile des Netzwerks mitzuwirken. Und die klare Konsequenz: It is produced by its components and in turn produces those components. Das Netzwerk bringt nichts außerhalb seiner selbst hervor; sein Produkt ist seine eigene Organisation. Die Zelle ist das einfachste Beispiel: Eine Membran umschließt eine Chemie, die Bestandteile erzeugt, welche wiederum die Membran bilden, die die Chemie enthält.
Abzugrenzen ist dies von der Maschine: Ein Mechanismus ist allopoietisch, er wird von außen aus vorgefertigten Teilen zusammengesetzt, und sein Produkt ist etwas anderes als er selbst (eine Uhr erzeugt die Zeit, keine Uhren). Das Lebendige hingegen lässt sich nicht von außen montieren: Es erzeugt sich selbst.
Ebenfalls zu unterscheiden ist die Sympoièse Donna Haraways, die den Begriff erweitert und zugleich infrage stellt: nichts entsteht ganz allein. Während die Autopoiese die organisationelle Geschlossenheit betont – ein System, das sich selbst hervorbringt –, erinnert die Sympoièse daran, dass sich kein Lebewesen wirklich in sich selbst abschließt, dass alles mit entsteht, in Symbiose und Abhängigkeit. Das „Selbst“ des auto- ist schon eine Menge.