Ainu · Ainu

Ainu Mosir

Ainu Mosir (mosir : terre, monde, pays)

Der Name, den die Ainu ihrem eigenen Land geben – Hokkaidō, die Kurilen, Sachalin –, bevor der japanische Staat es in „Hokkaidō“ umbenannte und zu einer zu kolonisierenden Provinz machte. Shigeru Kayano, Ältester von Nibutani und erster Ainu, der in den japanischen Reichstag gewählt wurde (1994), erläutert es selbst in seinen Erinnerungen: *Ainu Mosir* bedeutet „ein friedliches Land für die Menschen“. Das Wort *mosir* (Land, Welt, Erde) ist nicht den Menschen vorbehalten: In den göttlichen Gesängen (*yukar*) bezeichnet es auch das *kamuy mosir*, das „Land der Götter“, wo die *kamuy* wohnen. Zwei benachbarte Welten, ein einziges Wort, um beide zu benennen – sprachlicher Hinweis auf eine Kosmologie, in der die Götter nicht über den Menschen stehen, sondern neben ihnen.

We are no "former aborigines." We were a nation who lived in Hokkaido, on the national land called Ainu Mosir, which means "a peaceful land for humans." The "Japanese people" who belonged to the "nation of Japan" invaded our national land.
Shigeru Kayano, Our Land Was a Forest: An Ainu Memoir, chapitre « My Father's Arrest », à propos du Former Hokkaido Aborigine Protection Act de 1899. Westview Press, 1994 (orig. japonais, 1980) · trans. Kyoko & Lili Selden

Mosir bedeutet Erde, Welt, Land. Zusammen mit Ainu (der Mensch in der Ainu-Sprache) benennt es Hokkaidō, die Kurilen und Sachalin so, wie die Ainu sie nannten, bevor die japanische Verwaltung darin nur eine bloße territoriale Erweiterung zur Besiedlung sah. Shigeru Kayano, dessen Vater als „Verbrecher“ verurteilt wurde, weil er in seinen eigenen Flüssen Lachs gefischt hatte, lehnte das Wort ab, das der Staat ihm zuwies – „ehemaliger Ureinwohner“ – und setzte ihm einen Namen entgegen: Sein Land hatte bereits einen, und der bedeutete etwas Bestimmtes, „ein friedliches Land für die Menschen“.

Es ist kein isoliertes Wort. In den göttlichen Gesängen, die Chiri Yukie aufgezeichnet hat, trägt die Welt der kamuy – der Götter, nicht-menschlichen Wesen, die die Welt der Lebenden besuchen – denselben Wortstamm: kamuy mosir, das Land der Götter. Dasselbe Wort bezeichnet das Land der Menschen und das der Götter, wie zwei benachbarte Gebiete statt zwei durch einen Abgrund getrennte Seinsebenen. Was die Verwaltung später als „Nationalforst“ umbenannte, um es an einen Finanzkonzern zu verkaufen, war also kein namenloses, leeres Land: Es trug bereits einen Namen, der vom Frieden dort erzählte und von der Nachbarschaft, die man mit den Göttern pflegte.

← zurück zum Lexikon