Agencement
Eine Anordnung ist ein heterogenes Gefüge, das Elemente unterschiedlicher Art – Körper, Aussagen, Affekte, Werkzeuge – zusammenwirken lässt. Sie entfaltet sich entlang zweier Achsen: einerseits Inhalt und Ausdruck, die real verschieden, aber wechselseitig voraussetzend sind; andererseits die Territorialität, die sie stabilisiert, und die Linien der Deterritorialisierung, die sie durchziehen und in etwas anderes forttragen. Was sie ausmacht, ist keine feste Struktur, sondern eine doppelte Bewegung, die stets im Gange ist.
Tout agencement est d'abord territorial. La première règle concrète des agencements, c'est de découvrir la territorialité qu'ils enveloppent, car il y en a toujours une.
Das Wort Agencement drückt etwas aus, das »Struktur« nicht fassen kann. Eine Struktur ist geschlossen, hierarchisch, sie setzt ihre Elemente vor deren Beziehungen. Das Agencement hingegen beginnt mit den Beziehungen: Sie sind es, die die Begriffe erst hervorbringen, nicht umgekehrt. Ein Feudalherr, seine Ländereien, seine Leibeigenen, seine Waffen, seine Rituale, seine Rechtsaussagen bilden ein Agencement – keine organische Totalität, sondern eine heterogene Maschine, deren jedes Teil seinen Sinn erst aus dem Gesamtgefüge bezieht.
Deleuze und Guattari unterscheiden zwei sich kreuzende Achsen. Die erste trennt Inhalt und Ausdruck – das, was getan wird, und das, was gesagt wird, die Körper und die Zeichen –, nicht als Grund und Form, sondern als zwei tatsächlich verschiedene Artikulationen, die einander bedingen, ohne sich zu decken. Die zweite Achse trennt die Territorialität des Agencements (das, was es stabilisiert, abschließt, ihm sein »Zuhause« gibt) von den Fluchtlinien, die es durchziehen, destabilisieren und in andere Konfigurationen überführen. Diese beiden Achsen überlagern sich nicht: Ein Agencement kann bewegliche Inhalte und starre Ausdrucksformen haben oder an einer Seite starke Territorialität, an der anderen beschleunigte Flucht.
Das Territorium ist die erste Bedingung: Jedes Agencement beginnt damit, einen Funktionsraum abzugrenzen. Doch kein Territorium ist undurchlässig. Der Refrain des Vogels markiert ein Territorium; er kann es aber auch zum Kosmos öffnen, kosmisch statt lokal werden – das ist die Deterritorialisierung, die im Agencement selbst am Werk ist.
Zu unterscheiden von der Struktur. Die Struktur sucht Invarianten, Gegensätze, Transformationsregeln, die die Form bewahren. Das Agencement sucht Geschwindigkeiten, Intensitäten, Übergangsschwellen: Es fragt nicht »Was ist das?«, sondern »Wie funktioniert es?« und »Wohin entweicht es?«. Das Agencement ist keine Organisation, sondern eine Maschine, insofern es sich allein durch sein Funktionieren und seine Verbindungen definiert, nie durch ein inneres Wesen.