French · Abendländische Philosophie

Planétisation

Bei Teilhard das Einrollen der Menschheit in sich selbst, während Völker und Zivilisationen, zu zahlreich für den Erdball geworden, sich einander annähern und durchdringen. Unter der vereinten Wirkung von Kontakt, Austausch und geistiger Gemeinschaft schließt sich die menschliche Schicht zu einer Schleife um den Planeten. Es ist ein Moment des Aufstiegs der Noosphäre zu ihrem Brennpunkt – keine bloße flächige Ausdehnung, sondern eine Konvergenz.

La double crise, déjà sérieusement amorcée, au Néolithique, et qui approche de son maximum sur la Terre moderne, elle tient d’abord, nous l’avons dit, à une Prise en masse (à une « planétisation », pourrait-on dire) de l’Humanité : Peuples et civilisations parvenus à un tel degré, soit de contact périphérique, soit d’interdépendance économique, soit de communion psychique, qu’ils ne peuvent plus croître qu’en s’interpénétrant.
Pierre Teilhard de Chardin, Le Phénomène humain, Livre IV « La Survie », ch. I « L’issue collective », § 2 « L’esprit de la terre », C. Unanimité. Éditions du Seuil, 1955

Hier erscheint das Wort in Anführungszeichen, behutsam, wie ein Fund, den Teilhard sich kaum zu erlauben wagt. Er beschreibt, was er andernorts eine „Massenverdichtung“ nennt: Die Menschheit, die die Oberfläche des Globus vollständig bedeckt hat, kann sich nicht weiter ausbreiten – ihr bleibt nur, sich in sich selbst zurückzuziehen. Der Kontakt der Völker, die Interdependenz der Wirtschaften, die Gemeinschaft der Geister wickeln sie zu einer einzigen Schicht zusammen, die sich schließt. Die Planétisation ist der Name dieser Einwicklung.

Das Bild ist sphärisch, und die Wahl ist nicht zufällig. Auf einer geschlossenen Fläche bedeutet Wachstum Konvergenz: Je mehr sich die menschliche Schicht verdichtet, desto näher rücken ihre Punkte zusammen. Teilhard liest darin die Endphase der Noosphäre, in der das Denken, nachdem es gekeimt und sich ausgebreitet hat, beginnt, sich zu seinem Brennpunkt hin zu versammeln – dem Omega-Punkt. Die Planétisation ist daher kein Zustand, sondern ein Vorgang, das schrittweise Zusammenziehen eines einzigen Bewusstseinsgewebes.

Planétisation ≠ Globalisierung. Diese breitet einen Markt und Ströme flächig aus; sie verbindet, ohne zu verinnerlichen, addiert, ohne einen Pol, und kann unendlich wachsen, ohne etwas zu bündeln. Die Planétisation hingegen setzt ein Bewusstseinswachstum voraus: nicht die Ausdehnung eines Netzes, sondern die Durchdringung der Innerlichkeiten.

Planétisation ≠ das „globale Dorf“ der Medien. Das technische Geflecht verdichtet die Austauschbeziehungen, ohne sie auszurichten; es nähert die Knoten an, ohne sie konvergieren zu lassen. Bei Teilhard erhält die Annäherung erst dann Sinn, wenn sie auf ein Zentrum hin gespannt ist – ohne diesen Brennpunkt löst sich die Einwicklung in bloße Bewegung der Schicht auf.

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