Aymara · Aymara

Ayni

ayni (aymara et quechua)

Andines Prinzip der Gegenseitigkeit: Was man empfängt, verlangt nach einer Gabe im Gegenzug – im selben Moment oder zu einer anderen Zeit. Fernando Huanacuni Mamani bezeichnet es als *„die Energie, die zwischen allen Existenzformen fließt“* – nicht nur ein Austausch zwischen Menschen, sondern der Strom der Hilfe, der die Gemeinschaft, die Mutter Erde und das Kosmos verbindet. Der *Ayni* ist die konkrete Grammatik des andinen *guten Lebens*: Man hortet nicht, man gibt zurück; alle wirtschaftlichen, rechtlichen oder landwirtschaftlichen Beziehungen leiten sich daraus ab. Sein Bild ist nicht die Waage des Vertrags, sondern der Kreislauf, der das Gleichgewicht des Ganzen erhält.

Ayni, término aymara que significa "reciprocidad", "la energía que fluye entre todas las formas de existencia".
Fernando Huanacuni Mamani, Buen Vivir / Vivir Bien, Note de bas de page n° 31, glosant « la conciencia del ayni ». CAOI (Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas), Lima, 2010 · trans. texte original espagnol ; rendu français maison

Ayni fasst in einem Wort zusammen, was unsere Wirtschaften trennen: Empfangen und Geben sind keine zwei Handlungen, sondern eine einzige Bewegung. Fernando Huanacuni Mamani definiert es als »die Energie, die zwischen allen Existenzformen fließt«. Gegenseitigkeit also – doch eine Gegenseitigkeit, die nicht bei den Menschen haltmacht: Sie verbindet die Gemeinschaft, die Mutter Erde, den Kosmos. Was man vom Lebendigen empfängt, verpflichtet; man gibt es zurück, im selben Augenblick oder zu einer anderen Zeit.

Aus diesem Bewusstsein erwächst alles Übrige – die Landwirtschaft, die Wirtschaft, das Recht, die Art, gemeinsam zu entscheiden. Deshalb ist ayni untrennbar vom suma qamaña: Der Horizont der Gegenseitigkeit ist das Leben in Fülle, das bewahrte Gleichgewicht statt des angehäuften Kapitals. Man lebt nur gut, was man zurückzugeben wusste.

≠ Tauschhandel. Ayni ist kein Tausch, kein Vertrag, der eine Schuld tilgt und die Parteien entlässt: Es schließt sich nicht ab, es zirkuliert. Der Vertrag will Äquivalenz und Quittung; ayni will die Kontinuität des Flusses. Wo der Tausch zwei Interessen trennt, die miteinander handeln, setzt ayni voraus, dass sie nie getrennt waren.

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