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title: "Yorro Yorro"
sousTitre: "David Mowaljarlai, Ältester der Ngarinyin aus dem Kimberley, bezeichnet die Schöpfung nicht als vergangene Tat, sondern als ein nie endendes Präsens."
description: "Yorro Yorro, ein Wort der Ngarinyin: »Alles richtet sich auf, lebendig.« Die Schöpfung nicht als Vergangenheit, sondern als ewige Erneuerung der Natur verstanden."
date: 2026-06-08
lang: de
tradition: ngarinyin
auteurs: ["David Mowaljarlai"]
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# Yorro Yorro

In einer Felsnische des Kimberley beobachtet David Mowaljarlai Bienen, die um einen Strauch kreisen. Als Ältester und Hüter des Gesetzes der Ngarinyin hat er sein Leben damit verbracht, über ein Land zu wachen, das die Schöpfergeister, die *Wandjina*, in der Urzeit gestaltet haben. Doch diese Bienen hier sind nicht alt – sie sind gestern erst entstanden, und doch sind sie *dieselben*. „Dieselben Schwärme, dieselben Gemeinschaften“, bemerkt er – *the same swarms, the same communities, though not the original bees* –, und genau hier, sagt er, habe sich das fehlende Stück seines Rätsels gefügt.

  
    Yorro Yorro is ongoing, everything standing up alive.
  
  Yorro Yorro ist beständig: Alles richtet sich auf, lebendig.

Das Wort ist verdoppelt – erst *yorro*, dann noch einmal *yorro* – und diese Verdopplung ist keine Betonung, sondern der Sinn selbst. Während das Französische „die Schöpfung“ in die Vergangenheit verweist, als abgeschlossene Tatsache, deren Ergebnis wir bewohnen, hält das Ngarinyin sie im kontinuierlichen Präsens. Wallanganda, der Schöpfergeist, hat „alle Dinge der Natur“ erschaffen; doch seine Handlungen, so präzisiert Mowaljarlai, *sind* noch immer Yorro Yorro – die Natur, die sich in all ihren Formen unaufhörlich erneuert. Die Schöpfung liegt nicht hinter uns. Sie geschieht jetzt.

*[Yorro Yorro (ngarinyin)]* Wort der Ngarinyin-Sprache, das auch mit den Nachbarvölkern Worora und Wunambal innerhalb der *Wandjina*-Kultur geteilt wird. Mowaljarlai selbst überliefert seine Schreibweise und Bedeutung: ein Begriff, der durch die Stimme, die ihn trägt, verbürgt ist, nicht von außen rekonstruiert.

Die Bienen sind also keine Metapher: Sie sind der Beweis. Keine der heutigen Bienen ist die ursprüngliche Biene; während die einen sterben, schlüpfen andere, Königinnen folgen aufeinander, Schwärme verteilen sich. Und doch ist das „System des Bienenstocks“, das in der Urzeit eingerichtet wurde, nie verschwunden, identisch mit sich selbst durch diesen Fluss. Beständigkeit ist nicht die Unbeweglichkeit einer Sache: Sie ist die Kontinuität eines Neubeginns. Das ist es, was das Wort fasst – eine Welt, die *weil* sie sich immer wieder neu erschafft, Bestand hat, und nicht trotzdem.

Man hüte sich davor, darin nur unsere eigene Schöpfungsgeschichte zu hören, bloß unter australischer Sonne neu erzählt. Die Genesis setzt die Schöpfung ins Präteritum: Gott *schuf*, dann ruhte er, und das Werk ist hinter uns abgeschlossen. Yorro Yorro ruht nicht und schließt sich nicht; es kennt keinen siebten Tag. Es ist kein Anfang, den man erinnert, sondern ein Präsens, das man bewahrt – das Gesetz vertraut das Land seinen Hütern an, damit die „Idee des Wandjina“ *weitergeht*. Während wir die Schöpfung als vergangenes Ereignis konjugieren, konjugiert Mowaljarlai sie als eine Aufgabe, die nie vollendet ist. Die Welt richtet sich jeden Morgen aufs Neue auf; es bleibt an uns, sie mit ihr aufrecht zu halten.

## Quellen

- David Mowaljarlai, *Yorro Yorro* — Magabala Books, éd. revue et augmentée, 2014 (avec Jutta Malnic)


Kanonische Quelle : https://viasophia.org/de/reenchanter/2026-06-08-yorro-yorro/
